Antworten auf häufig gestellte Fragen

Aragamilk, Aragamight u. Purple-Up:

1.) Zu welcher Tageszeit sollte man Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up dem Aquariensystem zugeben?

Da am Morgen der pH-Wert des Aquariensystems meist etwas niedriger ist, als am Abend, hat sich eine morgendliche Zugabe von Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up (bei direkter Zugabe) vorteilhaft erwiesen.

2.) Wieso fallen manchmal bei schneller u. direkter Zugabe von Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up der Calciumwert und die Karbonathärte?

Bei schneller Zugabe größerer Mengen feinstverteiltem Calciumcarbonat (Aragonit) zu alkalischem Meerwasser (pH > 8,0), welches in der Regel meist mit Calcium gesättigt ist, kann es zu einer Ausfällung bereits gelöster Calcium- und Carbonat-Ionen kommen, die immer weitere gelöste Calcium- u. Carbonat-Ionen mitreißen.
Diese gehen zwar später wieder in Lösung, aber in Aquarien, die mit einem Abschäumer versehen sind, kann dies dazu führen, dass das ausgefällte Calciumcarbonat bzw. nicht vollständig gelöste Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up abgeschäumt und aus dem Aquariensystem entfernt wird.

Um diese etwas unvorteilhafte Eigenschaft von Calciumcarbonat zu umgehen, empfehlen wir, Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up über das Nachfüllwasser dem Becken zuzuführen, da es sich in Osmosewasser (pH < 7,0) wesentlich leichter und schneller lösen lässt, als in kalkreichem u. alkalischem Meerwasser (pH > 8,0).
Hierzu gibt man, ähnlich wie bei der Kalkwassermethode, eine entsprechende Menge Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up einem Behälter mit Osmosewasser bzw. dest. Wasser zu, schüttelt kräftig durch und wartet ab, bis die Lösung wieder klar wird und sich nicht gelöstes Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up am Boden des Behälters abgesetzt hat. Nur die klare Lösung darüber gibt man nun dem Becken regelmäßig als Nachfüllwasser zu und führt so dem Becken auf natürliche Weise Calcium- und Carbonat-Ionen zu.
Generell sei noch angemerkt, dass die Löslichkeit von Calcium-Ionen im Meerwasser von der Menge gelöster Magnesium-Ionen abhängt. Ein ausreichend hoher Magnesiumwert verhindert somit das vorzeitige Ausfallen der Calcium-Ionen zu unlöslichem Calciumcarbonat u. begünstigt deren Löslichkeit. Magnesiumwert daher bitte vor der Zugabe von Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up vorher prüfen.

3.) Kann eine direkte Zugabe von Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up eine Fadenalgenplage (z.B. Bryopsis, Derbesia) verhindern?

Nicht direkt, aber dadurch, dass sich Kalksedimente teilweise auf die Fadenalgen absetzen, wird deren Assimilation stark gestört und daher kann Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up durchaus dazu beitragen, zumindest das Wachstum von Fadenalgen etwas zu bremsen. Andere Maßnahmen, wie nährstoffarmes Wasser, natürliche Fressfeinde verstehen sich natürlich von selbst.

4.) Worin unterscheiden sich Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up?

Aragamilk ist eine Kalkmilch aus feinverteiltem Aragonit, der natürlichsten Form des Calciumcarbonats. Es eignet sich vor allem zur Aufhärtung von weichem Nachfüllwasser aus einer Umkehr-Osmoseanlage bzw. zur Aufhärtung von dest. Wasser. Es stabilisiert bis zu einem gewissen Grad auch die Karbonathärte im Riffaquarium. Aragamight ist die pulverförmige Variante von Aragamilk zum Ansetzen einer eigenen Aragamilk-Suspension in gewünschter Konzentration.
Purple-Up enthält neben der Aragamilk auch noch ionisches Calcium (Calciumchlorid) zur schnelleren Anhebung des Ca-Gehaltes im Becken und Jod. Beides steigert das Klakrotalgenwachstum im Riffaquarium.

5.) Inwiefern kann Purple-Up das Kalkrotalgenwachstum im Riffaquarium steigern?

Da Kalkrotalgen neben einem hohen Calciumgehalt auch eine gewisse Menge an Jod benötigen, wird durch die im Purple-Up enthaltene Kombination von Calciumchlorid, Jod und Aragonit (natürliches Calciumcarbonat) das Kalkrotalgenwachstum gesteigert.

6.) Enthält das Purple-Up auch Kalkrotalgen bzw. Sporen oder Teile von lebenden Kalkrotalgen zum Animpfen?

Nein! Purple-Up enthält keine lebenden Kalkrotalgen oder andere Formen dieser Alge!
Purple-Up steigert aber das Wachstum bereits vorhandener Kalkrotalgen im Riffaquarium um ein Vielfaches. Kalkrotalgen werden normalerweise von selbst mit gutem Lebendgestein ins Riffaquarium eingebracht.

7.) Reichen Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up zur alleinigen Calcium- bzw. Carbonatversorgung eines Riffaquariums aus?

Bei Riffaquarien, die hauptsächlich mit Weichkorallen, Seeanemonen und einigen Steinkorallen besiedelt sind, sowie in kalkreichen Süßwasserbecken (Malawi- u. Cichlidenbecken), kann durch regelmäßige Zugabe von Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up der notwendige Bedarf an Calcium u. Carbonaten ausreichend gedeckt werden. Gerade Riffaquarien mit vielen Röhrenwürmern u. anderen Filtrieren, die meist auch noch ohne Abschäumer betrieben werden, profitieren von den kalkreichen Sedimenten, die Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up liefern. Sie dienen besonders Röhrenwürmern zusätzlich als Baumaterial.

In reinen, stark mit SPS-Steinkorallen u. vielen Muscheln besetzten Riffaquarien kann eine gesonderte Calciumversorgung mittels Kalkreaktor oder ionischer Zugabe (Ballingmethode) erforderlich sein, da der tägliche Calcium- u. Carbonatverbrauch in solchen Becken meist um ein Vielfaches höher ist, als durch das allmähliche Auflösen von Aragonit der Produkte Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up bereitgestellt werden kann.
Hier erweist sich das Purple-Up, welches noch zusätzlich ionisches Calcium (Calciumchlorid) enthält, als etwas wirksamer.

Dennoch empfehlen wir auch in solchen Aquarien den Einsatz von Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up, da gerade durch die Aufhärtung des Nachfüllwassers mit den o. g. Produkten der tägliche Calcium- bzw. Carbonatverbrauch auch bei Verwendung eines Kalkreaktors bzw. der Balling-Methode erheblich reduziert werden kann.
Auch lieben viele Korallenarten u. andere Wirbellose kalkreiche Sedimente, die von Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up Im Riffaquarium erzeugt werden.

8.) Muss man den Abschäumer bei der Zugabe von Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up abschalten?

Bei direkter unverdünnter Zugabe von Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up den Abschäumer unbedingt für einige Zeit abschalten.!
Und zwar solange, bis das Wasser im Riffaquarium wieder klar ist. Sonst besteht die Gefahr, dass man das erwünschte Aragonit abschäumt.
Ungeachtet davon raten wir eher zur indirekten Zugabe von Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up ins Nachfüllwasser.
(Siehe auch unter 2.) Wieso fallen manchmal bei schneller u. direkter Zugabe von Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up der Calciumwert und die Karbonathärte?)

9.) Was sollte man beim Testen des Calcium-Wertes bzw. der Carbonathärte nach der Zugabe von Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up beachten?

Da die handelsüblichen Tests für Calcium bzw. Carbonathärte sowohl gelöstes als auch nicht gelöstes Calcium bzw. Calciumcarbonat gleichermaßen erfassen, kann nach unmittelbarer Zugabe von Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up das Messergebnis von Calcium und Carbonathärte wesentlich höher ausfallen als der tatsächliche Wert an gelöstem Calcium bzw. Carbonaten ist.
Wir empfehlen daher, erst zu messen, wenn das Wasser wieder ganz klar ist bzw. 1-2 Tage nach der letzten Zugabe von Aragamilk bzw. Aragamight u. Purple-Up.

DSB- Deep Sand Bed

1.) Welche Vorteile bringt ein DSB mit sich?

  • Effektive u. natürliche Nitratreduktion durch Schaffung eines anaeroben(sauerstoffarmen) Milieus Nitratabbauenden Bakterien wird durch die höhere und dichtere Sandschicht ein wesentlich größerer anaerober Lebensraum zur Verfügung gestellt, als es das Lebendgestein vermag.
  • die Pufferung von pH-Wert und Karbonathärte,
  • die teilweise ausreichende Kalziumversorgung durch Auflösung des feinen Aragonitsandes in den tieferen Schichten des Sandbettes,
  • die aufgrund des hellen Aragonitsandes wesentlich stärkere Reflektion des Lichts an die Unterseite der Korallenstöcke, was Gewebeverluste minimiert,
  • das optimale Siedlungssubstrat für Seegräser und Mangroven,
  • die Förderung planktonischer Organismen, die wiederum vielen Wirbellosen und Fischen als Nahrungszusatz dienen,
  • der natürliche Untergrund für Fungias, Gonioporas u.a. LPS-Korallen, sowie für Lippfische,
  • die teilweise recht erfolgreiche Bindung von Phosphat in Biomasse. (vgl. Artikel Anthony Calfo, KORALLE Heft Nr. 26)

2.) Wie hoch muss die Sandschicht mindestens sein?

Die Sandschicht muss so hoch sein, dass in den untersten Schichten ein anaerobes (sauerstoffarmes) Milieu entsteht, welches für einen erfolgreichen Nitratabbau notwendig ist. Dies hängt im wesentlich von der verwendeten Korngröße ab. Je gröber der Sand, desto höher muss die Sandschicht sein.
Bei Verwendung von zuckerfeinem Aragonitsand mit einer mittleren Korngröße von ca. 0,125 mm - 0,250 mm (z.B. CaribSea Ocean Direct, CaribSea AragAlive oder CaribSea Aragamax) reicht schon eine Schicht von durchschnittlich ca. 7 cm aus.

3.) Wie sollte die Beschaffenheit der Korngröße eines DSB’s sein?

Da ein DSB eine maximale Artenvielfalt beherbergen sollte, muss die Korngröße zwischen 0,063 und 2 mm betragen, am häufigsten sollten 0,250 – 0,125 mm große Partikel vorkommen. Dies stellt ein akzeptables, wenn nicht gar perfektes Sediment für die meisten Tiere dar und hat sich bestens bewährt.

Der Sand muss unbedingt so fein sein, dass nur wenig Detritus oder andere Abfallstoffe in das DSB einsickern können, sondern dass diese allmählich von der Strömung unserer Aquarien-Pumpen im Aquarium erfasst werden. Die Kleinorganismen (z.B. Würmer, kleine Schlangensterne, Kleinkrebse etc.), die wir später in dem DSB pflegen, holen sich selbst die Menge an Detritus, die sie verarbeiten können, und führen sie den tieferen Schichten des DSB’s zu. Ein zu schnelles Einsickern von Detritus ins Innere des DSB’s, wie es bei gröberer Körnung häufig passiert, muss also dringend vermieden werden. Dies war oft ein typischer Fehler, der vielen Aquarianern bei der Auswahl des falschen Sandes passierte.

Wir bieten für das DSB mehrere geeignete Sandsorten an:

  • CaribSea AragaMax (spezieller trockener unbelebter Aragonitsand für DSB)
  • CaribSea OceanDirect (spezieller Aragonitsand mit hochaktiven Bakterien für DSB)
  • CaribSea AragAlive (spezieller, extra fein gesiebter Aragonitsand mit Bakterien für DSB)
  • „Echter LiveSand“ (frisch aus dem Meer importierter Livesand mit Würmern, kleinen Schnecken und anderenfür das DSB wichtigen Mikroorganismen)

4.) Wie viel trockenen Sand, Bakterien-Livesand und „echten Livesand“ benötigt man für ein DSB von 7-8 cm Höhe?

Damit das DSB einerseits schnell mit Bakterien und marinen Kleinorganismen besiedelt wird, empfehlen wir die o. g. für das DSB geeigneten Sandsorten zu mischen. Je mehr verschiedene Kleinorganismen ins DSB gelangen, desto besser.

Als Basis verwendet man etwa 60 % des noch unbelebten zuckerfeinen Aragonitsandes (CaribSea Aragamax). Dieser Sand wird vorher gereinigt und mit eingefahrenem Meerwasser gespült. Darauf ist zu achten, dass dabei nicht zu viel von den feineren Sandpartikeln verloren gehen. Mit diesem Sand errichtet man nun im Becken eine etwa 5-6 cm hohe Sandschicht. Darüber gibt man eine 2-4 cm hohe Schicht des Bakteriensandes CaribSea Ocean Direct bzw. CaribSea AragAlive dazu und mischt vorsichtig den Bakteriensand etwas unter den noch unbelebten Sand, ohne dabei viel Sediment aufzuwirbeln. Anschließend gibt man einige Kilogramm eines "echten Livesands" an mehreren strömungsberuhigten Stellen ins Becken. Von dort aus arbeiten sich dann die marinen Kleinorganismen allmählich durch das ganze DSB hindurch. Dieser Vorgang dauert in der Regel 2-6 Wochen - je nach Beckengröße und Menge des verwendeten "echten Livesands."

Die Meinung vieler Aquarianer, dass der Sand auch durch das Lebendgestein besiedelt wird ist nicht ganz richtig, da im "echten Livesand" eine viel größere und auch etwas andere Artenvielfalt besteht als auf und im Lebendgestein.

5.) Ist eine anfängliche, nach der Sandzugabe, starke Trübung schädlich für unsere Beckenbewohner (Korallen u. Fische)?

Nein, denn Fische u. Korallen aus Riffgebieten sind an solche zeitlich begrenzte Sediment-Trübungen durch Sturm oder Gezeiten gewöhnt. Die Trübung verschwindet in der Regel von selbst nach 2-3 Tagen, bei Einsatz von CaribSea BioMagnet schon bereits nach einem Tag.

6.) Einrichtung eines DSB`s während der Einfahrphase oder erst später?

Am erfolgreichsten verläuft die Entwicklung eines DSB`s, wenn man es von Anfang an installiert. Die marinen Kleinorganismen können sich ungestört ausbreiten und laufen nicht Gefahr von Fischen gefressen zu werden. Das bei der Einrichtung stark aufgewirbelte Sediment stört keine Korallen oder Fische. Die Beckenbiologie richtet sich direkt am Anfang auf das DSB ein. Zu beachten ist aber, dass der "echte Livesand" mit seinen marinen Kleinorganismen erst bei nicht nachweisbarem Nitritwert eingebracht werden sollte. Der Livesand mit den Bakterienstämmen kann dagegen direkt mit dem Lebendgestein zusammen eingebracht werden. Er verkürzt die Einfahrzeit erheblich und verhindert einen all zu großen Nitritanstieg. Wichtig: Zuerst die Steine ins Becken, dann, wenn man mit dem Steinaufbau zufrieden ist, den Sand ins Becken.

Will man ein bestehendes Aquarium nachträglich mit einem DSB versehen, muss man etwas vorsichtiger sein. Hierbei ist es ratsam, den prozentualen Anteil an Bakterien-Livesand (CaribSea OceanDirect) und "echtem Livesand" wesentlich zu erhöhen, wenn nicht sogar ganz auf den unbelebten Aragonitsand (CaribSea Aragamax) zu verzichten, da man den etwaigen alten Sand oder gar Korallenbruch entfernen muss und so doch nicht unerheblich ins Ökosystem eingreift. Die Einbringung des "echten Livesands" sollte bei ausgeschalteter Beleuchtung erfolgen. Dann sind die Chancen, dass die marinen Kleinorganismen nicht sofort von den Fischen gefressen werden am größten. Damit nicht so viel Sediment auf die Korallen gelangt, ist es ratsam, den Sand mittels eines großen PVC-Rohrs ins Becken zu geben. Die Pumpen sollte man vorher abschalten, bis der Sand eingebracht ist. Danach schaltet man die Pumpen wieder ein und schaut, ob man die Strömungsrichtung gegebenenfalls noch ändern muss, um Verwehungen oder tote Zonen des Sandes zu vermeiden. Bei der nachträglichen Errichtung eines DSB-Systems im Aquarium empfehlen wir aus eigener Erfahrung den Einsatz von Bakterienkulturen (z.B. Prodibio Bio Digest). Diese sollten direkt nach dem Aufklaren des Wassers dem Aquarium zugeführt werden.

7.) Was muss man bei der Pflege eines DSB’s beachten?

In den ersten 2-6 Wochen nach Einrichtung des DSB’s vermehren sich sowohl die Bakterienstämme als auch die marinen Kleinorganismen.

Während die Bakterienstämme sich sehr schnell vermehren, kann dies bei den marinen Kleinorganismen bis zu 12 Wochen dauern. Daher sinken auch zunächst der Nitratwert und erst später der Phosphatwert. Während dieser Zeit sollten die marinen Kleinorganismen nicht durch Fische oder andere Fressfeinde gestört werden, da sonst ein erfolgreiches Ausbreiten der Kleinorganismen nicht möglich ist.

Die Pflege bestimmter Fischarten, wie z.B. grabender Grundeln, Seenadeln und Leierfische können vor allem in einem kleinen mit DSB betriebenen Aquarium zu Problemen führen, da sie die Kleinorganismen stark dezimieren können, bis hin zum vollständigen Zusammenbruch des DSB’s und damit des ganzen Ökosystems.(vgl. Buch „Fische beobachten“ von Prof. Ellen Thaler, Verlag Ulmer, zum Thema Seenadeln)

Vor einer Reinigung des Sandes mit einer Mulmglocke sei dringend gewarnt. Es stört die wichtigen biologischen Vorgänge innerhalb des DSB’s. Hat man die richtige Korngröße des Sandes ausgewählt, gibt es sowieso kaum Mulm bzw. Detritus im Sand (siehe oben) und der Mulm bzw. Detritus auf dem Sand sollte bereits von der ausreichenden Strömung erfasst worden sein und in den Schaumstoffpatronen der Strömungspumpen landen. Der restliche Mulm wird von den marinen Kleinorganismen gefressen. Ein mit zu viel Mulm bzw. Detritus belastetes DSB weist auf entscheidende Fehler bei der Einrichtung und bei der Strömung hin. Hier muss dringend die Ursache gefunden und behoben werden.

Da sich der feine Aragonitsand mit der Zeit auflöst und von den riffbildenden Korallen verbraucht wird, muss alle 18 - 24 Monate bis zu 50 % der Sandmenge hinzugeschüttet werden. Aber nicht auf einmal, sondern innerhalb einiger Wochen. Der neu eingebrachte Sand muss erst wieder belebt werden. Am besten ist es, wenn man den Sand wieder mit "echtem Livesand" mischt.
Auch können Bakterienprodukte, wie z.B. Prodibio BioDigest die Besiedelung des Sandes mit nitrifizierenden und denitrifizierenden Bakterien beschleunigen und die Abbauleistung von Nitrat sogar verstärken. Dieses in kleinen Glasampullen angebotene Bakterienprodukt enthält allein neun verschiedene natürliche Bakterienstämme. Die Aufbewahrung dieser lebenden Bakterien unter Stickstoff in Glasampullen, hat gegenüber anderen Bakterienprodukten den Vorteil, dass die Bakterien sofort Einsatzbereit sind und nicht erst reaktiviert werden müssen.

Alle 3 Jahre sollte ein Viertel der Sandmenge komplett durch neuen Bakterien-Livesand ersetzt werden. Dabei nicht nur die obere Schicht abtragen, sondern komplett ein Viertel entfernen (am besten durch Absaugen)

8.) Welche Bedeutung hat die Strömung?

Eine ausreichend starke und abwechslungsreiche Strömung ist einer der wichtigsten Punkte für den erfolgreichen Betrieb eines DSB’s. Der größte Fehler ist eine viel zu schwache und einseitige Strömung. Ein lebendes Sandbett verbraucht viel Sauerstoff. Ist die Strömung im Becken kräftig, so kann der Sauerstoffgehalt in der oberen Sandschicht hoch bleiben und das System bleibt stabil (siehe Sprung/Delbeeck, Das Riffaquarium Band 1, Seite 217). Die Strömung sollte mindestens die 30 – 40-fache Umwälzung des Beckeninhaltes aufweisen. Dabei sollte die oberste Schicht des DSB`s minimal ständig in Bewegung sein, ähnlich wie in der Natur auch. Dies erreicht man durch mindestens 2 mit Zeitschaltuhren gesteuerten Strömungspumpen oder 2 Strömungspumpen mit Wellenschlagsimulation (z.B. Tunze Stream). Ideal wäre auch ein Konzept, wie es der Hersteller Tunze mit der Wavebox vorschlägt. Dies schafft zusätzlich naturnahe Strömungsverhältnisse. Da der Sand sehr fein ist, lässt er sich leicht durch Strömung bewegen. Deshalb haben es Schmier- oder Kieselalgen sehr schwer sich anzusiedeln. Durch die große Oberfläche des Sandes steht den Filterbakterien eine gewaltige Siedlungsfläche zur Verfügung. Dadurch stehen andere Bakterien wie z.B. die Schmieralgen (Cyanobakterien) oder auch Krankheitskeime ständig unter Konkurrenzdruck durch die Filterbakterien und können sich daher deutlich schlechter bisweilen überhaupt nicht vermehren.

Durch die ständige Bewegung des Sandes bleibt der Sand selbst nach langer Zeit immer schön weiß, was die Helligkeit innerhalb des Beckens enorm steigert. Man muss ein bisschen experimentieren, bis die Pumpen so eingestellt sind, dass der Sand nicht in eine Ecke des Beckens getrieben wird. Es ist aber halb so schwer, wie es anfangs aussieht.

9.) Bewegung innerhalb des DSB’s?

Der Sand eines DSB’s sollte ständig, aber fast unmerklich in Bewegung sein. Während die oberste Sandschicht (ca. 0,5-1 cm) ständig durch die Strömungspumpen in Bewegung gehalten werden sollte, muss das Innere des DSB`s sehr vorsichtig und fast unmerklich bewegt werden. Hierzu eignen sich diverse Strombus-Schnecken, Borstenwürmer, kleine Schlangensterne und Seegurken der weniger giftigen Arten. In der Anfangsphase sollte man selbst mit der Hand ab und zu den Sand vorsichtig umschichten. Später machen dies die marinen Kleinorganismen selbst. Es bedarf dann keiner weiteren Bewegung durch die Hand des Aquarianers mehr.

10.) Abschäumer - ja oder nein?

Da das DSB aufgrund seiner zahlreichen Bakterien und marinen Kleinorganismen sehr viel Leben beherbergt, ist die nächtliche Sauerstoffzehrung sehr groß. Daher muss einem mit DSB betriebenem Aquarium viel Sauerstoff zur Verfügung gestellt werden. Dies geschieht am einfachsten mit Hilfe eines kräftigen Abschäumers. Die Angst einiger Aquarianer, der Abschäumer könne dem DSB die Nahrungsgrundlage entziehen, ist unbegründet. Es bleiben genügend Detritus, Futterreste und andere Abfallstoffe übrig, um ein DSB zu ernähren.
Bei ausreichender Oberflächenbewegung des Aquariums kann der Abschäumer aber unmittelbar nach Abschalten der Beleuchtungsphase für einige Stunden (3-5 Stunden) abgeschaltet werden, um vor allem den Austrag von Zooplankton, was vor allem nachts aus dem DSB aufsteigt, zu minimieren.

11.) Stickstofflimitierung durch DSB?

Die Nitratreduktion eines DSB-Systems kann in manchen Fällen so effektiv sein, dass ein Mangel an Stickstoff im Aquarium entsteht. Besonders in fischreichen Becken bzw. in der Anfangsphase eines DSB‘s kann der Phosphatwert um ein Vielfaches höher liegen als der Nitratwert, so dass es zur sog. Stickstofflimitierung kommen kann.

Abhilfe durch Fütterung mit Aminosäuren (z.B. ReefStar Aminos) oder Austerneier (z.B. DT’s Reef Diet oyster eggs) oder vorsichtiges Dosieren mit einer spez. angesetzten 0,25 mol/l Ammoniumchlorid-Lösung (1 ml dieser Lösung auf 100 l Nettoaquarienvolumen hebt den NO3-Wert um 0,155mg/l an). Wir empfehlen jedoch wegen der besseren Verfügbarkeit und Nahrungsaufnahme für die Korallen die Aminosäuren und/oder die Austerneier.

Bei normalem vernünftigem Fischbesatz pendeln sich im Laufe der Zeit Werte von 1 mg/l NO3 und 0,05 mg/l PO4 ein

12.) Müssen die Kleinstlebewesen im DSB extra gefüttert werden?

Nicht unbedingt, aber Phytoplankton (vor allem lebendes Phytoplankton), kann die Vermehrungsrate der Kleinstlebewesen und deren Larven im DSB erheblich beschleunigen und steigern.
Dies begünstigt die allgemeine Vermehrung von Zooplankton im Becken, was wiederum vielen Steinkorallen besonders nachts dann zur Verfügung steht.
Empfohlen werden Phytoplankton-Produkte mit verschiedenen Algenkulturen und einem variablen Zellgrößenbereich von 2-20 Mikron (z.B. DT’s Phytoplankton Premium Reef Blend)

13.) KH und Calciumversorgung durch ein DSB?

Kleinorganismen und Bakterien produzieren innerhalb des DSB sehr viel CO2. Dieses CO2 führt innerhalb des DSB‘s zu einem Abfall des pH-Wertes. Dabei gehen Calcium und Karbonate in Lösung, welche die Korallen aufnehmen.
So entsteht eine Art natürlichen Kalkreaktors.
Der Lösungsvorgang drückt zwar etwas auf die KH und auf den pH-Wert, ist aber kein Grund zur Aufregung. KH pendelt sich im Laufe der Zeit bei 6-7 dKH° ein und fällt dann in der Regel auch nicht mehr. Entspricht auch dem natürlichen Wert im Korallenriff. Ausreichend für die meisten Mischbecken
Bei dicht besetzten Steinkorallenbecken muss jedoch gegebenenfalls mit Balling-Methode oder Kalkreaktor nachgeholfen werden. Dennoch spart man eine Menge an Additiven durch das DSB, weil das DSB auch Spurenelemente abgibt, die im Aragonit enthalten sind

14.) DSB innerhalb oder außerhalb des Beckens?

Soll das DSB lediglich zur Nitratreduktion dienen, spricht nichts gegen den Betrieb eines DSB‘s außerhalb des Beckens in einem Art Refugium, sofern die maßgeblichen Faktoren, wie z.B. ausreichende Strömung, eingehalten werden. Das ist bei vielen Refugien aber nicht der Fall. Unter Umständen muss das Refugium mit Pumpen nachgerüstet werden, um eine Bewegung der obersten Sandschichten zu ermöglichen
Getrenntes System hat den Vorteil, dass Kleinstlebewesen sich ungestörter vermehren können
Der Betrieb eines DSB‘s im Becken hat wiederum den Vorteil, dass auch andere Tiere etwas davon haben (Lippfische, Seesterne, Sanddollars, LPS-Korallen)
Zooplankton wird dem Becken direkt und unmittelbar zur Verfügung gestellt
Ergänzt sich gut mit der Mikrofauna des Lebendgesteins. Detritus wird auch besser verwertet und abgebaut, als beim getrennten System.
Die Grundfläche eines DSB’s, ob extern oder intern, sollte Minimum immer ca. 20-30% der Beckenfläche betragen, sonst ist keine effektive Nitratreduktion möglich.

15.) Welche zusätzlichen Lebewesen unterstützen die Pflege eines DSB’s?

  • Schnecken (Cerithium sp, Nassarius sp., Nassarius vibex, Nassarius distortus, Pusiostoma sp, Engina sp.,)
  • Kleinbleibende Strombus-Arten (Strombus gibberulus gibbosus, Strombus gibberulus gibberulus)
  • Röhrenwürmer (Sabellastarte indica, Bispira sp., Protula bispiralis)
  • Gebänderter Schlangenseesterne (Ophiolepsis superba)

16.) Welche Lebewesen sind im DSB durch Einbringung von „echtem Livesand“ zu erwarten?

Feuerwürmer (Linopherus), Wollknäuel Borstenwürmer (Timarete filigera), kleine grabende Schnecken (div. Nassarius) und Kleinkrebse (div. Amphipoden) etc. leben in den obersten Schichten des DSB‘s. Sie zerkleinern und fressen gröbere Futter- und Detritus-Reste und führen sie den mittleren Schichten zu.
Haarwürmer (Cirratuliden) u. vertikal orientierten Phyllochaetopterus-Würmer. Diese sind wichtig für die Wasserbewegung innerhalb des DSB‘s!!!
Diese fressen eher feinere Schwebepartikel und Detritus-Reste und leben in den mittleren bis oberen Sandschichten. All diese Würmer bewegen Material von der Oberfläche und lagern es tiefer im Sand wieder ab.

17.) Auf welche Lebewesen sollte man bei einem DSB-System verzichten?

Die Pflege bestimmter Fischarten, wie z.B. grabender Grundeln (Goldkopf-, Phalaena-Grundel u.a.), Seenadeln und Leierfische (LSD- u. Mandarinfische) können vor allem in einem kleinen mit DSB betriebenen Aquarium zu Problemen führen, da sie die Kleinorganismen stark dezimieren können, bis hin zum vollständigen Zusammenbruch des DSB’s und damit des ganzen Ökosystems.(vgl. Buch „Fische beobachten“ von Prof. Ellen Thaler, Verlag Ulmer, zum Thema Seenadeln)
Auch räuberische, carnivore Seesterne und Schnecken sollten in der Anfangsphase dem DSB-System nicht zugeführt werden.

18.) Welche sind die häufigsten Fehler bei der Einrichtung und Pflege eines DSB-Systems und wie behebt man sie?

  1. Starke Mulmansammlung auf dem Sand:
    Ursache: Zu schwache oder einseitige Strömung
    Abhilfe: Stärkere und wechselseitige Strömung. Austausch/Änderung von Strömungspumpen und/oder Strömungsrichtung.
  2. Starke Mulmansammlung in dem Sand
    Ursache: Sand ist zu grobkörnig. Detritus ist zu schnell ins DSB eingesickert.
    Abhilfe: Austausch des Sandes durch geeignete Sandarten
  3. Schwarzer Belag im inneren des Sandes. Übler Geruch nach Fisch oder faulen Eiern
    Ursache: Detritus wurde nicht durch Kleinorganismen abgebaut. Fehlen von Kleinorganismen. Zu starker Fischbesatz. Auswahl ungeeigneter Fische für das DSB (Große und tief grabende Grundeln (Goldkopfgrundel, Phalaenagrundel), Seenadeln, Leierfische etc.)
    Abhilfe: Feinde der Kleinorganismen entfernen. Schwarzen Sand entfernen. Neueinbringung einer kleinen Menge "echten Livesands". Dazu kleine Schlangensterne, Strombus-Schnecken, kleine Seegurken, Röhrenwürmer etc.
    Punkt 2 und 3 gehen meist gemeinsam einher und hängen meist voneinander ab.

19.) Muss man seinen alten Sand vor Einrichtung eines DSB-Systems entfernen?

Hat der alte Korallensand bzw. Aragonit-Sand im Becken eine durchschnittliche Korngröße von ca. 0,125 mm - 0,250 mm, so kann er durchaus weiter verwendet werden. Falls er jedoch eine größere Korngröße aufweist und/oder aus anderen Materialien (Quarz etc.) besteht, sollte er vorher entfernt werden, da sonst ein korrektes Funktionieren des DSB-Systems nicht gewährleistet werden kann. (siehe auch Punkt 3. und 18.)

20.) Wie fülle ich am besten den Sand ins Aquarium ohne zuviel des Lebendgesteins bzw. der Korallen zu bedecken?

In kleineren Aquarien kann man den Sand vorsichtig mit Hilfe eines PVC-Rohres ins Becken füllen oder aber mit einer Schöpfkelle einbringen. In größeren Aquarien kann man vorsichtig den Beutel Livesand bzw. Aragonitsand ins Becken halten und das unterste Ende des Beutels ein wenig mit einem kleinen Messer einschneiden. Dann führt man allmählich und vorsichtig den Beutel nah am Aquarienboden entlang und verweilt an den Stellen etwas länger, wo mehr Sand benötigt wird. Es empfiehlt sich bei Einbringung des Sandes die Pumpen vorher abzustellen, um ein Verwehen des Sandes zu verhindern.